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Umzug mit Katze

Umzug mit Katzen

 

Umzug ist für alle Beteiligten ein „Ausnahme-Zustand“ und jeder ist froh, wenn das Chaos überstanden ist. Doch für manchen Katzenbesitzer ist die Sache damit noch lange nicht erledigt, da es Katzen zu geben scheint, die sich partout nicht mit dem neuen Daheim abfinden können und immer wieder an den bisherigen Wohnort zurückkehren. Bevor wir uns mit den Gründen befassen, zuvor ein paar Fakten:

 

Heimfinde-Vermögen

Ab einer Entfernung von rund 5 km vom Daheim nimmt die Fähigkeit der Katze, den Heimweg zu finden, enorm ab. Das Streifgebiet einer Katze kann bis zu 1000 Hektaren umfassen. Wird nun eine freilaufende Katze von einem Hund gejagt oder erschrickt wegen hupender Autos oder sonst einem Zwischenfall, so kann es passieren, dass sie unter Schock losrennt, über die Grenzen ihres normalen Streifgebietes hinaus gerät und in plötzlich unbekannter Umgebung den Heimweg nicht findet oder sich aufgrund des Erlebten nicht traut, den Rückweg anzutreten.

Das statistische Durchschnittsalter einer Freilauf-Katze beträgt de facto leider nur 2 ½ Jahre

(D. C. Turner). Das grösste Risiko stellt – vor allem für noch unerfahrene Katzen - der Strassenverkehr dar.

 

Bestehende Katzengesellschaften

Wie wir dank Paul Leyhausen (Felidenforscher) wissen, kennen Katzen verschiedene Formen der Vergesellschaftung (Bruderschaften, Geselliges Beisammensein). Eine Jungkatze muss sich zwischen ihrem zweiten und dritten Lebensjahr in die bestehende Katzenpopulation einfügen und das geht häufig mit heftigen Kämpfen einher. Vor allem während der Paarungszeit und im Sommer, wenn die Tage länger sind, legen Freilauf-Katzen grössere Strecken zurück. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit anderen Katzen „ins Fell zu geraten“, natürlich häufiger.

 

Biologische Voraussetzungen

Katzen sind von ihrer Stammesgeschichte her keine „Nomaden“. Beinhaltet ein Streifgebiet ausreichend attraktive Ressourcen (gutes Wegenetz, Markierstellen, Sonnenplätze, Jagd-Gebiete, Aussichtspunkte), so ist die Katze sehr gebietstreu. So kommt es, dass der Katze der Ruf vorauseilt, sie sei weit mehr ortsgebunden statt dem Menschen treu. Von Katzenmüttern wissen wir, dass sie schon mal einen „Umzug“ mit ihrem Nachwuchs vornehmen, wenn ihnen das bisherige Nest unsicher erscheint. Entweder aufgrund häufiger Störung, realer oder eingebildeter Bedrohung der Welpen aber auch aus Hygiene-Gründen.

 

Unter Berücksichtigung dieser Fakten können also als Begründung dafür, dass manche Katzen immer und immer wieder an ihr altes Daheim zurückkehren angeführt werden:

 

Die Katze wurde zu früh in den Freilauf gelassen, kennt ihr neues Streifgebiet noch nicht ausreichend und findet den „alten“ Heimweg (meist weil recht nahe und innerhalb des bisherigen Streifgebietes gelegen) besser wieder, als den Weg zum neuen Daheim.

Als Faustregel gilt: je näher das bisherige Zuhause gelegen ist, desto länger muss die Freilauf-Katze zwecks Eingewöhnung an das neue Heim drin behalten werden. Bei weiten Distanzen beträgt das durchschnittliche Minimum an „Stubenarrest“ ohnehin 4 Wochen. So kann sich diese Zeit bei geringer Distanz zwischen zwei Wohnorten leicht auf 8 Wochen erhöhen. Natürlich muss von uns Menschen in dieser Zeit den jagdlichen und sozialen Bedürfnissen ausreichend Rechnung getragen werden. Unsere Katze braucht also mehr Zuwendung, mehr Spiel, Spass und Abwechslung. Annähernd all das, was sie sonst draussen erleben würde.

Wird eine Katze zu früh wieder in den Ausgang entlassen und kehrt schnurstracks zum alten zu Hause zurück, gibt es nur eine „Therapie“: das Ganze von vorne! Die Katze muss erneut für Wochen im Haus behalten werden! Es zahlt sich also nicht aus, dem jammernden Drängen des Kätzchens zu früh nach zu geben. (Ausserdem jammern viele Katzen gar nicht so sehr wegen der Sehnsucht nach Freigang sondern aus Unsicherheit! Weil nichts mehr so ist, so riecht, so klingt etc. wie es bisher war.)

Die Katze ist während der Zeit im Haus aber keineswegs so isoliert, wie man auf den ersten Blick meint. Von einem attraktiven Fensterplatz aus taxiert sie bereits die anderen Katzen im Quartier, verfolgt deren Wege, deren Markierstellen und Spazierzeiten, hört deren Auseinandersetzungen in lauen Sommernächten.

 

Ist dann der Zeitpunkt gekommen, dem Kätzchen seine Freiheit zurück zu schenken, dann gilt es, sich in die bestehende Katzenpopulation einzugliedern. Je nachdem, wie viele alteingesessene Katzen- und Kater-Grössen es bereits in der Umgebung gibt, kann das ganz schön anstrengend sein! Es ist daher immer von Vorteil, sich als Mensch in der Nachbarschaft ein wenig schlau zu machen. (Das ist gar nicht so schwer! Die meisten Katzenhalter erzählen gern von ihren Tieren!)

Wohnte in meiner Wohnung / meinem Haus vorher bereits eine (oder mehrere) Katze(n)? Dann war mein neuer Garten also zuvor „besetztes Territorium“ und meine Katze hat gute Chancen, ihn schnell ihr Eigen nennen zu dürfen!

Gibt es viele Freilaufkatzen? Gibt es viele Kämpfe? (Das hört man meistens in der Nacht.) Dann wird es also nicht einfach für meine Katze, sich ausserhalb des Hauses ihr eigenes Revier aufzubauen. Somit ist die Wohnung / das Haus das Revier und „draussen“ ist „nur“ Streifgebiet.

Wie sind die Ausgangzeiten der anderen Katzen? Tagsüber, vermehrt nachts oder wann immer diese wollen? Da das gleiche Streifgebiet von vielen Katzen zeitlich gestaffelt genutzt wird, kann diese Information sehr hilfreich sein. Gibt es nämlich wirklich massive Probleme, so kann man probieren, die Ausgehzeiten so zu verschieben, dass die Katzen gut aneinander vorbei kommen.

Faustregel: vom Biorhythmus her wird Ihre Katze die besten Chancen haben, in Ruhe und Frieden das neue Streifgebiet zu erkunden, während die anderen Freigänger sich gemütlich zu Hause ausruhen. Also zwischen ca. zehn Uhr am Morgen und vier Uhr nachmittags. So hat sie reelle Chancen, „Bekanntmachungen über ihren Zuzug“ in Form von Markierspuren zu hinterlassen, ihre Ansprüche geltend zu machen und den schnellsten und sichersten Heimweg auszukundschaften, ohne dem „Kampftiger“ von nebenan in die „Pfoten“ zu laufen.

Hat nämlich die Katze zuvor ein sehr attraktives, kaum umkämpftes Gebiet besessen und hat nun am neuen Ort aufgrund zu grosser, vorhandener Katzenpopulation kaum Chancen, Fuss zu fassen, wird sie immer wieder versuchen, in ihr altes Gebiet zurück zu kehren.

 

Jedes Streifgebiet umfasst „Jagd-Gebiete“, ausgezeichnete Sonnenplätze, Aussichtspunkte und ein ausgeklügeltes Wegenetz. Ist der neue Wohnort in dieser Hinsicht unattraktiver für die Katze wohingegen sie sich vorher am alten Ort sehr wohl fühlte, ist die Neigung, „wieder nach Hause zurück zu gehen“, ebenfalls grösser. Nach einer entsprechenden Eingewöhnungszeit hilft es manchen Katzen sehr, wenn sich ihr Mensch für ein paar Tage die Zeit nimmt, auf gemeinsamen Streifzügen die neue, fremde, vielleicht beängstigende Umgebung zu erkunden.

Die Katze lernt durch optische und geruchliche Eindrücke das neue Gebiet kennen, als Mensch kann man helfend eingreifen, wenn sie erschrickt oder in Panik gerät und gemeinsam kann man den sichersten Heimweg erkunden. Es ist im Uebrigen (bei den meisten Freilauf-Katzen) zwecklos, einen Garten „ausbruchsicher“ gestalten zu wollen. Wenn eine Katze will, wird sie einen Weg finden! Viel besser ist es, den Garten, die Wohnung / das Haus so zu gestalten, dass die Katze ohne grosse Hindernisse überwinden zu müssen, heim flüchten kann.

 

 

 

Zur Beruhigung besorgter Katzenbesitzer sei ganz klar gesagt: es ist höchst selten(!), dass eine Katze aufgrund „schlechter Haltung“ oder „mangelnder Zuneigung zu ihren/m Mensch/en“ immer wieder an ihren alten Wohnort zurückkehrt. Ist die Katze noch nicht gut an ihre neue Umgebung adaptiert, und es zieht sie immer wieder zurück ins alte Gebiet, dann ist es zwar nicht gerade von Vorteil, wenn sie dort von vermeintlichen Tierfreunden, die fremde Katzen mit schmackhaften, aber nicht selten ungeeigneten Köstlichkeiten füttern, empfangen wird! Da muss dann dringend ein klärendes Gespräch von Mensch zu Mensch geführt werden! Doch die Katzenliebe geht nicht alleine durch dem Magen! Viel entscheidender sind äussere Einflüsse, wie oben beschrieben, die eine Katze dazu veranlassen, sich mit einem neuen Streifgebiet nicht so recht anfreunden zu können. Statt also als Katzenbesitzer ob „soviel Untreue eingeschnappt zu sein“, machen Sie sich lieber gemeinsam mit der Katze auf die Suche nach den Störfaktoren und entsprechenden Lösungen!